
CD (2007) - Eigenproduktion
Felix Mendelssohn Bartholdy
Streichquartett a-Moll, op. 13
György Kurtág
Hommage à Mihály András
Zwölf Mikroludien für Streichquartett, op. 13
Joseph Haydn
Streichquartett D-Dur, op. 76/5
Bestellung direkt beim Asasello Quartett
Mit grosser Passion
von Fabian Kristmann
Auszüge
Die Einspielung von Mendelssohns Streichquartett a-Moll (op. 13) wird weniger von einer voluminösen Tiefe beherrscht als vielmehr von glasklarer, aufgehellter Brillanz. Trotz souveräner technischer Versiertheit scheint die Grundhaltung des Ensembles mehr emotional ausgerichtet zu sein: die (dynamischen) Extreme werden ausgereizt, und Momente von leidenschaftlichem Aufruhr in Verbindung mit harter Tongebung kontrastieren mit einer stimmungsvollen Schlichtheit, wie sie besonders schön im Intermezzo (Allegretto con moto) zum Ausdruck kommt.
Die Mikroludien für Streichquartett, op. 13, "Hommage à Mihály András" von György Kurtág sind wie geschaffen dafür, ein breites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten zur Anwendung zu bringen. Die hochkonzentrierten Asasello-Mitglieder werden all den Facetten überaus gerecht und schaffen in der knappen Zeit, die ihnen in diesen Miniaturen jeweils zur Verfügung steht, beeindruckende Klangerlebnisse.
Auch hier [Haydn, op. 76/5] kommen die von der Mendelssohn-Interpretation bekannten Qualitäten zum Zuge, allerdings ergänzt durch eine angenehm entspannte, von Spielfreude geprägte Leichtigkeit.
Es gehört eine ganze Portion Mut dazu, sich im Überangebot der CD-Einspielungen über Konventionen hinwegzusetzen.
Das Asasello-Quartett fällt nicht schon durch seinen ungewöhnlichen Namen (nach Michail Bulgakows Figur aus „Der Meister und Margarita“) auf, sondern überrascht auch programmatisch und stilistisch.
Nach einem poetischen Einstieg mit Mendelssohns Quartett a-Moll, lyrisch und ansprechend interpretiert, folgen György Kurtágs 12 Mikroludien für Streichquartett op. 13. Eine präzise Darstellung dieses dichten Ausdrucksgeflechts.
Zu diesen beiden Studioaufnahmen wirkt die Live-Einspielung des Haydn-Quartetts zunächst verwirrend. Doch die selbstbewussten Musiker lassen dies nicht unaufgeklärt.
Im Booklet und auf der CD berichten sie über ihr ganz persönliches Konzerterlebnis in Russland. Im September 2006 spielten sie vor einem gänzlich unerfahrenen Publikum im Saidashev-Konzertsaal in Kazan. Wer nicht unbedingt eine saubere Studioaufnahme einer authentischen Konzertaufnahme vorzieht und sich auch nicht an Mobiltelefongeklingel stört, darf an diesem besonderen Konzerterlebnis noch einmal – wenn auch gefiltert – teilnehmen. Ihr ambitioniertes Anliegen nimmt man den vier ab, denn sie spielen nicht nur risikofreudig, sondern verstehen es, den verschiedenen Stimmungen der drei Werke atmosphärisch nachzuspüren. Eine unkonventionelle Einspielung, die ganz unbedarft Live- und Studioaufnahme kombiniert und damit sehr persönlich ist.
Anja Renczikowski