Basellandschaftliche Zeitung, 4. Februar 2008

Die hohe Kunst des Pianissimo-Spiels

Das Asasello Quartett kombinierte Wiener Klassik mit neuer Musik aus Ungarn.

von Fabian Kristmann


Es ist gegenwärtig in Basel auffällig präsent, das junge Asasello Quartett: Nach der Veröffentlichung seiner zweiten CD anlässlich eines Konzertes im Dezember in Binningen (bz vom 14. Dezember 2007) ist das Ensemble, das sich 2000 in Basel formierte und hier studierte, im Hans Huber-Saal des Basler Stadtcasinos aufgetreten.

Den klassischen Rahmen um zwei Werke der ungarischen Neuen Musik bildeten das Streichquartett in c-Moll aus dem frühen Opus 18 von Ludwig van Beethoven sowie das F-Dur-Quartett (KV 590) von Wolfgang Amadé Mozart. In beiden Fällen waren Rostislav Kojevnikov und Barbara Kuster (Violinen), Justyna Sliwa (Viola) und Andreas Müller (Violoncello) um einen kultiviert gedeckten Ton besorgt. Sie spielten zwar flüssig, aber nicht gehetzt und erzielten weniger aufgekratzte als vielmehr subtile Akzentuierungen, während ihre ungekünstelte Tempogestaltung jederzeit nachfühlbar blieb.

Etwas weniger Zurückhaltung hätte allerdings kaum geschadet; besonders bei Beethoven wären mehr unwirsche, energiegeladene Momente durchaus von Vorteil gewesen. Auch im abschliessenden Mozart-Quartett gab es - abgesehen von kleineren konzentrationsbedingten Mängeln - viel Sorgfalt, Gelöstheit und Homogenität im Gesamtklang zu bestaunen.

Das wirklich aufregende und einnehmende Musizieren des Asasello Quartetts war in den beiden Interpretationen von Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert zu erleben: Im Streichquartett Nr. 2 von György Ligeti beeindruckte das Ensemble neben einer optimalen Koordination vor allem mit seinem Pianissimo-Spiel, das tragfähig, delikat und nie brüchig geriet und zu dem die Musizierenden auch nach den wildesten Eruptionen gekonnt und unvermittelt zurückkehrten.

Der dritte Satz («Come un meccanismo di precisione») mit seinen pizzicato ausgeführten Minimal-Music-artigen rhythmischen Verschiebungen und Überlagerungen gab dem Quartett Gelegenheit, seine souveräne Handhabung auch komplexer Rhythmen unter Beweis zu stellen. Die Zwölf Mikroludien für Streichquartett, op.13, von György Kurtág - sie sind auf der kürzlich veröffentlichten CD eingespielt - haben die Asasello-Mitglieder völlig verinnerlicht: auswendig spielend, schufen sie kleine, aber präzise ausgelotete Klangwelten von grosser Dichte. Wie insgesamt fiel auch hier wieder die besondere Liebe für all jene musikalischen Momente auf, die sich im Bereich des Pianissimo und unterhalb davon bewegten.

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