Es gehört eine ganze Portion Mut dazu, sich im Überangebot der CD-Einspielungen über Konventionen hinwegzusetzen.
Das Asasello-Quartett fällt nicht schon durch seinen ungewöhnlichen Namen (nach Michail Bulgakows Figur aus „Der Meister und Margarita“) auf, sondern überrascht auch programmatisch und stilistisch.
Nach einem poetischen Einstieg mit Mendelssohns Quartett a-Moll, lyrisch und ansprechend interpretiert, folgen György Kurtágs 12 Mikroludien für Streichquartett op. 13. Eine präzise Darstellung dieses dichten Ausdrucksgeflechts.
Zu diesen beiden Studioaufnahmen wirkt die Live-Einspielung des Haydn-Quartetts zunächst verwirrend. Doch die selbstbewussten Musiker lassen dies nicht unaufgeklärt.
Im Booklet und auf der CD berichten sie über ihr ganz persönliches Konzerterlebnis in Russland. Im September 2006 spielten sie vor einem gänzlich unerfahrenen Publikum im Saidashev-Konzertsaal in Kazan. Wer nicht unbedingt eine saubere Studioaufnahme einer authentischen Konzertaufnahme vorzieht und sich auch nicht an Mobiltelefongeklingel stört, darf an diesem besonderen Konzerterlebnis noch einmal – wenn auch gefiltert – teilnehmen. Ihr ambitioniertes Anliegen nimmt man den vier ab, denn sie spielen nicht nur risikofreudig, sondern verstehen es, den verschiedenen Stimmungen der drei Werke atmosphärisch nachzuspüren. Eine unkonventionelle Einspielung, die ganz unbedarft Live- und Studioaufnahme kombiniert und damit sehr persönlich ist.
Anja Renczikowski