Kölnische Rundschau, 23. Dezember 2008

Ausgeglichener Spielstand für die Streicher

von Matthias Corvin
gekürzt


Kammerkonzerte von nur einer Stunden Länge und an ungewöhnlichen Orten: Diese Idee steckt hinter der neuen Reihe des Kölner Asasello-Quartetts. Sie nennen ihr Konzept „1:1“. Damit sind keine Spielergebnisse des FC gemeint, sondern ein ideales Mischungsverhältnis der Streichquartett-Literatur. Einen Klassiker und ein epochales Werk der Moderne stellen die vier an der Kölner Musikhochschule beim Alban Berg Quartett ausgebildeten Musiker jeweils vor.

… Nach Österreich führte das erste Stück ihres Programms im historischen Sancta-Clara-Keller am Römerturm. Haydns Streichquartett op. 54/2 ist außergewöhnlich durch seine expressiven Klangwelten. So verraten die improvisatorischen Verzierungen des zweiten Satzes eine ungarische Leidenschaft. Primarius Rostislav Kojevnikov folgte mit agiler Körperbewegung ganz der „Seele“ dieser Musik. Vielleicht lag es auch an der direkten Akustik, dass Haydn ungemein modern und romantisch klang.

Das Asasello Quartett besitzt einen klaren, gut balancierten und wohl artikulierten Grundklang. Spannend, seine Qualitäten an den unterschiedlichen Orten zu hören. Ihr Faible für Neue Musik ist den jungen Musikern jedenfalls hoch anzurechnen. Zumal in Helmut Lachenmanns Quartett „Gran Torso“, das jegliche Musik verschweigt und dafür jede Menge Geräusche aus den Streichinstrumenten zaubert. Die Mitte des Werks wird von einem mit höchster Intensität, jedoch stumm gespielten Bratschensolo markiert. Das von knirschend-knarrendem Gequietsche und flüsternden Huschen über die Saiten geprägte Stück ist grandios und radikal in der Verneinung aller gewohnten Hörgewohnheiten.

Dennoch ist vom größten Ausdruck bis zur leisen Erfüllung alles da, was Musik ausmacht. Auf den Boden der Tatsachen zurück holten uns die Musiker mit einem wohligen „Adagio molto“ der Mendelssohn-Schwester Fanny Hensel.


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