Badische Zeitung, 17. Dezember 2008


von Nikolaus Cybinski

gekürzt

Asasello eröffnete mit Fanny Hensel-Mendelssohns Streichquartett in Es-Dur. Erfreulich, dass die Hochbegabte endlich erkannt und anerkannt wird. Trotz der Behinderungen durch Vater und Bruder (!) komponierte sie, und das gelegentlich ganz unkonventionell. Sie hat viele gute Einfälle (von denen Felix auch profitierte), doch wenn sie denkt, jetzt langt’s, macht sie kurzerhand Schluss, zum Beispiel im Eingangssatz ihres Quartetts. Und sie musste sich permanent energisch beweisen! Auf diese Weise verwandeln sich noch das anfangs scherzohafte Allegretto und die Romanze in markant tönende Bekenntnisse. Hörenswerte Musik, von Asasello empfindsam und con fuoco gespielt.

Vor der Pause noch Marc Sabats (geboren 1965) "Beautiful City for String Quartet", 1994 komponiert und auf Darmsaiten zu spielen. Die Veränderungen eines ausgehaltenen Klanges sind anfangs minimal, vergrößern sich nach und nach und werden zum Schluss hin wieder verkleinert. Musik, die sich selbst belauscht und von ferne an Morton Feldmans Introversionen erinnert. Danach die Explosion vitaler, doch kultiviert und virtuos gespielter Leidenschaft bei Tschaikowsky. Als Russe weiß Kojevnikov, was hier Sache ist, und so führt er seine Mitspieler zu einer beeindruckend intensiven Interpretation. Begeisterter Beifall und als Zugabe der Schlusssatz aus Erich Korngolds zweitem Streichquartett von 1933, ein verwegenes Wiener Walzerfinale, das wir heute wohl als Omen kommenden Unheils hören dürfen.

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