Kölner Stadt-Anzeiger, 31. Oktober 2008

Dem Dämon alle Ehre gemacht

Das junge Asasello-Quartett aus Köln eröffnete im Alten Pfandhaus die Reihe „1:1 – Schon gehört?“

von Marianne Kierspel
gekürzt

...jetzt entwirft das preisgekrönte Quartett für seine Wahlheimat Köln die Konzertreihe „1:1 – Schon gehört?" Der Titel klingt salopp, aber das Eröffnungskonzert im Alten Pfandhaus bewies hohe intellektuelle Anspannung und Intensität im Spiel bei ausgewogener Besetzung.

Jedes Konzert soll zwei Werke miteinander in Kontakt bringen. Zuerst traf das dritte Streichquartett (1983) von Alfred Schnittke, dem übrigens der Primarius Kojevnikov eine eigene Komposition gewidmet hat, auf Schuberts „Tod und das Mädchen“.

Berühmte Zitate
Diese Programmfolge, der Blick von der Moderne zurück auf die Romantik, dürfte manche fiebrig-nervöse Deutung angeregt haben. Sie lenkte jedenfalls das Ohr auf Härten, auf durchaus von Schubert schon notierte Schärfen. Die Konfrontation mit Schnittke schien Schuberts Liedvariationen unter Druck zu setzen.

Das Quartett kann auch anders. Kürzlich spielte es den Satz vor Schülern deutlich ruhiger und kantabler. Jetzt machte es eher seinem russischen Namenspatron Ehre, dem Dämon Asasello. Indessen hat Schnittke selbst im dritten Quartett aus seiner polystilistischen Phase Kontakt zu Größen der Musikgeschichte gesucht. Schon in die ersten Takte interpoliert er berühmte Zitate von Orlando und Beethoven, ein Verfahren, das Schostakowitschs Namenschiffre quasi absegnet. Er zitiert auch klassische Kadenzfloskeln und Ländlerseligkeit, die er zu Tode hetzt. Der Konzertblick zurück öffnet neue Zugänge, allerdings für Kenner.

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