Allgemeine Zeitung, 21. Oktober 2008

Wucht lässt Saiten reißen

Herausfordernd unbequem und anspruchsvoll war das Programm, mit dem sich das junge Asasello-Quartett aus Basel mit Werken von Webern, Rihm, Kurtág und Sabat in der Villa Musica vorstellte.

von Siegfried Kienzle

Auszüge

Schon mit seiner beträchtlichen Spieldauer stand das sechste Streichquartett von Wolfgang Rihm aus dem Jahr 1984 im Zentrum. ... Immer neu fasziniert Rihms Klangfantasie: Da setzt die Violine einen hohen Pfeifton über das dunkel brodelnde Ensemble. Heftige Sforzati klingen wie Peitschenknall. Dann werden die Klangexplosionen plötzlich zurückgenommen zu einer zarten Tonfolge. Konzentriert und in exzellenter Technik widmeten sich die "Asasellos" diesem Werk. Dass bei den berserkerhaften Attacken eine Saite riss und neu angesetzt werden musste, passt zu Rihms Ausdruckswucht.

Ganz anders die "Zwölf Mikroludien für Streichquartett" op.13 von György Kurtág aus dem Jahr 1978. Da konnte man die größtmögliche Reduktion von Musik erleben. Verhalten und entrückt entwickelten sich die Tonfolgen - Klänge, die sich tastend und fragend gegeneinander bewegten, dann wieder in Tremoloflächen und heftigem Glissando stärkere Akzente setzten.

Dass diese radikale Verdichtung von Musik auch ein historisches Vorbild hat, zeigten die "Sechs Bagatellen für Streichquartett" op.9, die Anton Webern 1911/13 komponiert hat. Das war Musik auf die Kürzestformel gebracht. Da hatten die wispernden, knisternden Klangerfindungen oft nur die Dauer eines Atemzugs. Imponierend auch "Beautiful City für Streichquartett", das der 1965 in Kanada geborene Marc Sabat 1994 komponiert hat. Eine Viertelstunde lang wurde ein einziger Ton vibratolos durchgehalten. Er wurde angereichert durch Begleittöne. Diese suggestive Musik verzichtete bewusst auf jeden rhythmischen Impuls. Für den Beifall bedankte sich das Ensemble mit einem Volkstanz des georgischen Komponisten Sulchan Tsintsadze.

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